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 Kapitel 1

~*GEGENWART*~

Schweratmend und verheult lief ich durch die Straße auf das alte Fabrikgelände zu. Ununterbrochen klingelte mein Handy, doch dieses ignorierte ich gekonnt. Die konnten mich mal alle gern haben. Keiner wird mich von meiner Tat abhalten. Es wusste ja auch kein Mensch wo ich hin wollte. Gut außer Tom halt nicht. Aber ich glaube selbst ihn wollte ich jetzt nicht bei mir haben. Ich wollte einfach nicht aufgehalten werden…zumindest in dem Moment nicht. Außerdem wer weiß ob es überhaupt Toms Terminkalender zuließ. Völlig außer Atem kam ich am alten Fabrikgebäude und ehemaligen Proberaum meiner Jungs an und verschnaufte erstmal paar Sekunden vor der Tür. Nach paar Minuten kramte ich den Schlüssel, welchen ich vorher von Tom mitgehen hatte lassen, aus meiner Hosentasche und sperrte zitternd auf. Da es dunkel war brauchte das ganze etwas länger. Es war schon später Abend und die Sonne war seid einigen Minuten am Horizonte verschwunden. Die Tür ließ ich achtlos offen stehen und stürmte, noch immer am heulen, die Treppen hoch. Eher stolperte ich nach oben. Mein Ziel war das Dach. Der Ort an dem ich oft über Sachen nach dachte die mich beschäftigten und der Ort an dem ich mich immer mit Tom traf wenn wir mal ungestört sein wollten, was seid einem Jahr nicht mehr so gut ging. Oben angekommen, brachte ich erstmal die Tür nicht auf. Ich drückte mich mit meinem ganzen Gewicht auf sie und brachte sie nach einer Weile auch auf. Ich fiel zu Boden und stöhnte auf, da ich mir wehgetan hatte. Schnaufend sah ich auf und blieb bei dem dunklen Anblick vor mir hängen. Ich schluckte und rappelte mich dann vorsichtig auf. Wie in Zeitlupe bewegte ich mich auf das Dachende zu. Noch ein paar kleine Schritte und du bist da…Dann hast du’s bald hinter dir, gings mir durch den Kopf und ich ging langsam weiter. Ich schluckte immer schwerer und da war ich schon am Ende des Daches angekommen. Ich sah über das Dorf hinweg in die Dunkle Nacht hinein. Die Lichter der Stadt leuchteten heute besonders hell. So kam es mir zu mindest vor. Dann fiel mein Blick nach unten. Auf den tiefen Abgrund. Die Straße konnte ich nicht sehen. Ich konnte sie nur erahnen. Das einzige Licht das ich hatte war das hinter mir an der Tür.  Ich versuchte irgendwie den grauen und kalten Asphalt zu erblicken. Ob es wohl wehtun wird wenn ich unten aufkomme? Wenn mein Körper auf den harten Beton aufprallte und ich mir sämtliche Knochen brach? Denk nicht daran…TU’S einfach!, redete ich mir ein. Ich stieg auf den kleinen erhobenen Rand. Meine Füße fühlten sich an wie Wackelpudding. Nur ein kleiner Schritt und du bist alle Sorgen los…, dachte ich. Ich lächelte leicht. „Wenn das auch ohne dem gehen würde...“, flüsterte ich. Eine kleine heiße Träne verließ mein rechtes Auge und fiel in den tiefen dunklen Abgrund vor mir. Klatschte vermutlich nun auf den Boden. Dieser Träne würde ich jeden Moment folgen, doch noch ein einziges Mal wollte ich mir durch den Kopf gehen lassen, warum ich meinem Leben ein Ende setzten wollte. Alles begann da wo meine Mutter starb und ich zu meinem Alkoholabhängigen Dad zog. Ich wusste schon damals das, das nicht lange gut gehen würde…

~*VERGANGENHEIT*~ 

Total müde und von der Fahrt leicht überfordert kam ich am Magdeburger Bahnhof an und schlenderte völlig Lustlos aus dem Zug. Kurzes Umsehen und ich fand meinen Erzeuger auf einer Bank sitzend auf. ER sah für sein „Kleine Problem“ eigentlich ziemlich gut aus. Als er auch mich entdeckte, stand er auf und kam auf mich zu. Ich atmete einmal durch und ging ihm dann entgegen. „Hey Kleine!“, begrüßte er mich freudig. „Wir haben uns seid meinem 6 Lebensjahr nicht mehr gesehen also tu jetzt bitte nicht so als würdest du irgendwelche väterlichen Gefühle für mich hegen.“, sagte ich mit ernster Miene und wich seiner Umarmung aus. „Ach Gott Lisi…Lass es uns einfach vergessen. Jetzt bin ich ja da und kümmere mich um dich.“ „Vergessen kannst du die Tatsache das ich dir irgendwann mal verzeihe. Außerdem bist du nur da weil das Gericht es so entschieden hat das ich zu dir komme.“ „Quatsch! Ich wollte es so…Egal jetzt. Lass uns nach Hause fahren. Mariella wartet schon.“ Mariella? Das wird wohl seine Frau sein…, dachte ich mir. Ich wusste zwar das mein Dad eine Frau hatte aber wie sie hieß und aussah...Keine Ahnung. Mein Vater wollte mir meinen Koffer abnehmen, doch ich ließ ihn nicht und ging gerade aus los. Ich hörte wie er seufzte und mir dann folgte. Im Auto versuchte er ab und zu ein Gespräch anzufangen, aber entweder gab ich ihm keine Antwort oder nur abwesende Kommentare. „Bist du eigentlich immer so dunkel angezogen und geschminkt oder ist das nur weil deine Mum tot ist?“ „Beides…“, antwortet ich. Es stimmte. Ich trug fast immer schwarz und auch waren meine Augen fast immer von dunkler Schminke umrandet. Ich gefiel mir so und außerdem brachte es zurzeit sehr gut meine dunkle und trauernde Stimmung zur Geltung. Und seid meine Mum tot war, trug ich schwarz noch mehr als vorher. Meine Mum war mir echt das wichtigste in meinen Leben, doch jetzt war sie nicht mehr bei mir. Sie starb an ihrem Brustkrebs. Und da mein Dad ja auch für mich verantwortlich war, was er die letzten 11 Jahre nicht gezeigt hatte, musste ich nun zu ihm. Praktisch zog so eben zu einem Wildfremden Mann und seiner Lebensgefährtin. Als ich 6 Jahre alt war machte sich mein ach so lieber Vater aus den Staub. Ließ meine Mutter im Stich. Ließ mich im Stich. Er ging einfach weg. Rief nie an und meldete sich auch sonst nie anders. Er wollte zu seiner damaligen Freundin die er jetzt allerdings nicht mehr hatte. Schon lange nicht mehr… Nach einer viertel Stunde kamen wir vor einem mittelgroßen Haus zum stehen. „Wir sind da.“, sagte mein Dad und stellte den Motor ab. Ich sah auf das weiße während mein Dad die Sachen aus dem Kofferraum holte. Mein Blick fiel auf das Nachbarhaus, wo eine rothaarige Frau gerade einen schwarzhaarigen Jungen umarmte. Sie sah glücklich aus. Mir fiel auf das sie eine kleine Ähnlichkeit mit meiner Mutter hatte und das wiederum, weil ich an meine Mum denken musste, machte mich bisschen traurig. Es sah so aus als würde der Junge gerade nach Hause gekommen sein, denn der Schwarze Van, der in der Auffahrt stand, fuhr nun weg. Nun entdeckte ich einen weiteren Jungen, der wegen des Autos verdeckt war und irgendwoher kam er mir bekannt vor. Nur wusste ich im ersten Moment nicht woher. Ich konnte nicht weiter drüber nachdenken, weil mein Vater mir die Tür öffnete und mich so mit aus meinen Gedanken riss. „Willst du im Auto wohnen oder was?“, lachte er auf. Ich riss mich von den Leuten los und sah meinen Vater an. „Ich komm ja schon.“ Er sah in meine Blickrichtung. „Oh die Kaulitz Jungs sind ja zu Hause. Die kommen heute eh zum Essen zu uns. Wir haben sie eingeladen weil Simone ganz neugierig auf dich ist.“ „Schön…“, murmelte ich nur und stieg aus. Kaulitz…kommt mir bekannt vor. „Hey Simone!“, schrie mein Dad rüber und die Besagte sah auf. „Hallo Markus!“, gab sie zurück. Auch die Jungs sahen her, genau wie ich zu ihnen. Die beiden hatten eine Sonnenbrille oben und sahen sich dann an. Ich seufzte und holte meine zweite Tasche aus dem Auto. Mein Vater ging zum Zaun und unterhielt sich mit Simone und den beiden Jungs. „Lisi!“, rief er mich, „Komm mal her.“ Ich stieß mich vom Auto ab, da ich daran gelehnt hatte, und schlenderte zu meinem Vater. „Lisi das sind Simone, Bill und Tom. Unsere Nachbaren.“ Freundlich reichte ich allen drei die Hand und gab ein >Hallo!< von mir. Ich spürte wie mich die Jungs ansahen. Tom und Bill… Von wo kamen die mir so bekannt vor??? Na ja ich werds schon noch herrausfinden. „Wie war die Fahrt von Österreich hier her.“ „Ja ganz angenehm.“, antwortete ich Simone. „Ach wir waren ja schon alle so gespannt auf dich. Und jetzt bist du da!“ Ich lächelte verlegen und sah dann auf den Boden. „Na gut wir müssen dann eh rein. Die Jungs müssen noch ihre Sachen auspacken.“ „Ja wir sehen uns eh um 6 Uhr.“ „Ja…Dann lernen wir uns besser kennen!“, lächelte mich Simone lieb an. Von der Nähe sah sie noch mehr wie meine Mum aus. Ich musste mich richtig zusammen reißen sie nicht an zustarren wie als wär sie ein Gespenst.

Kapitel 2

 

„Also bis dann!“ „Ja! Tschüss!“ Mit diesen Worten drehten wir uns um und gingen endlich in das Haus von meinem Dad rein. „Marie? Wir sind da!“, rief mein Dad in den Vorraum als wir in betraten  und unsere Sachen ablegten. Nach paar Minuten kam plötzlich eine Frau aus der Küche und lächelte mich liebevoll an.  „Heeey! Da seid ihr ja endlich. Und du musst wohl Lisi sein!“, sagte sie und reichte mir ihre Hand, „Ich bin Marie…Ich hab mich schon tierisch auf dich gefreut!“ „Hey…Freut mich.“ „Wie war die Fahrt hier her?“ „Na ja…Langweilig!“, grinste ich leicht. „Kann ich mir vorstellen. Na komm mal mit in die Küche. Markus bringst du ihre Sachen nach oben?!“, fragte sie meinen Vater und küsste ihn kurz. „Klar. Unterhaltet euch mal schön.“, grinste er, nahm meine Sachen und trug sie nach oben. Kurz sahen wir ihm hinter her und gingen dann in die Küche. „Also erzähl mal so…Wie war’s in Österreich.“ „Hmm…na ja…nicht anders als hier…“, grinste ich und wir unterhielten uns über dies und das und lernten uns besser kennen. Ich mochte Marie…und konnte nicht verstehen wie so eine gut aussehende, liebe Frau einen so verdorbenen Idioten wie meinen Vater liebte…Ja ich weiß, ich bin gemein, aber wie gesagt mochte ich meinen Vater nicht besonders… „Heute kommen dann unsere Nachbarn, wahrscheinlich kennst du die Jungs eh.“ Ich runzelte die Stirn da ich nicht wusste WOHER Ich die Jungs kennen sollte. Immerhin war ich noch NIE in meinem Leben in Loitsche. Obwohl mir der Name verdächtig bekannt vorkam. „So deine Sachen sind oben. Ich besorg jetzt die restlichen Sachen für später. Marie hast du den Zettel.“ „Ja…Hier.“, sagte sie und reichte meinen Vater die Einkaufsliste nehm ich an. „Willst du mit?“, fragte er mich. „Ne ich räum dann meine Sachen aus.“, gab ich knapp zurück. Er nickte nur und nach einem Tschüss war er weg. „Du bist sauer auf Markus…“, seufzte Marie. Ich zuckte mit den Schultern. „Kann sein.“ „Na das wird schon…“ Ich sagte nichts und dachte mir nur meinen Tei. „Soll ich dir irgendwie helfen?“ „Nein geht schon. Ich zeig dir jetzt dein Stockwerk und du kannst dann in Ruhe auspacken.“ „Wie Stockwerk?“ „Ja der ganze obere stock gehört dir!“, grinste sie. Ich blinzelte paar Mal und sah sie dann mit großen Augen an. „Was?“ „Ja…Na los komm mit.“ WOW! Es war gigantisch. Ich hatte ein Schlafzimmer, ein Bad, ein Wohnzimmer und einen eigenen Balkon. Mein Dad und Mariella musste ja ne Menge Kohle haben…Unglaublich. Von außen sah das Haus ganz normal aus und ist man mal drinnen…Holla die Waldfee!? Während Marie unten in der Küche werkte, packte ich meine Kartons aus und räumte alles sorgfältig weg. Nach fast zwei Stunden war ich dann auch fertig. Mein Dad war in der Zwischenzeit auch aufgekreuzt und wollte mir helfen, doch das ließ ich nicht zu. Er ging dann in den Garten und bereitete dort alles vor. Zumindest versuchte er den Grill an zu machen. Seufzend ging ich an mein klingelndes Handy ran. Sasha.

„Heeeey!“, freute ich mich endlich wieder mal meinen Besten Freund zu hören.
„Na du Schnute? Wie geht’s?!“, lachte er.
„1. Nenn mich nicht Schnute wie oft noch…und 2. Du hast mich gerettet. Bin gerade mit dem auspacken fertig geworden und wäre fast an meiner Langenweile gestorben.“ Er lachte sich schlapp. Sasha ist mein Bester Freund und unser Abschied war echt Filmreif. Das volle Geheule von mir…und ihm. Er war echt toll…Und jetzt konnte ich ihn nicht sehen. Das brach mir echt das Herz.
„Na bitte…wenn du mich nicht hättest.“
„Wirklich wahr…!“, lachte ich.
„Wie gefällts dir in Deutschland.“
„Na ja viel hab ich noch nicht gesehen….aber was ich gesehen habe….das fast so wie in Österreich…“, seufzte ich.
„Ach komm so schlimm ists sicher nicht. Du magst ja Deutschland.“
„Ja!“, lachte ich.
„Und schon Freunde gefunden?“
„Ne bin ja erst seid zwei Stunden hier und in denen hab ich meine Nachbarn gesehen, mich mit Mariella, die Frau meines Dads, angefreundet und meinen Stock eingeräumt…Alder ich hab nen ganzen Stock für mich.“
„WOW! Ist ja geil!“
„Gell? Na ja mir kommen die Jungs von den Nachbarn irgendwie total bekannt vor. Auch die Namen aber ich weiß einfach nicht woher.“
„Wie heißen sie denn?“
„Tom und Bill und Nachname ist Kaulitz.“ Hält mich für bekloppt, aber fiel es echt nicht ein. Das war unglaublich bei mir….Ist nicht das erste Mal…
„Gott bist du blöd!“
„Wasn?“, fragte ich nach, „Hör auf so dämlich zu lachen und sag endlich Sasha!“
„Tom und Bill…Denk mal scharf nach. Du lebst in Loitsche ja?“
„Ah…ha?“
„Meine Gott….Woher kommt denn deine Lieblingsband?“
„Aus Amerika?“
„Nicht LInkin Park. Die andere…“
„Ach su…Deutschland.“
„Und woher genau?“
„Loitsche.“
„Und wie heißen die alle?“
„Tom, Bi…“ Ich stockte. „Neeee…Hör auf das kann nicht sein?!“
„Lisiiii…“
„Oder?“, schluckte ich.
„Wär schon nen arger Zufall!“, lachte Sasha.
„Oh Gott…“, Mir wurde schlecht. , „Die sind vorhin nach Hause gekommen und müssten jetzt auspacken hat Simone gesagt.“
„Na bitte…“
„WOW!“
„Jap…Aber bleib ganz cool ne?“
„Ich immer!“, grinste ich. Sasha und ich telefonierten noch zu Ende und dann ging ich runter zu Mariella um ihr zu helfen.

„Hey…Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragte ich als ich die Küche betrat. „Nein musst du nicht. Geht schon.“ „Okay…Ich wird dann mal in den Garten gehen ja?“ „Ist gut.“ „Ich darf doch Gitarre spielen oder stört das wen?“ „Nee. Mach ruhig.“ „Okay!“, grinste ich und flitzte nach oben. Schnell krallte ich mir meine Gitarre und zischte wieder nach unten. Im Garten setzte ich mich auf einen der Liegestühle. Und während mein Dad am Grill herumwerkte, spielte ich >Vergessene Kinder< von Tokio Hotel. Ich mochte das Lied und spielte es immer und überall…und sang dazu.

Ein ganz normaler Tag.
Die Straße wird zum Grab.
Die Spuren sind verwischt.
Ne Suche gab es nicht.
Kalt ist die Nacht.
Wer friert ist zu schwach.
Niemand wird sie zählen.
Niemand hat sie gesehen.
Einsam und verloren.
Unsichtbar geboren.
Beim ersten Schrei erfroren. Vergessene Kinder.
Name unbekannt.
Endlos weggerannt.
Aus der Welt verbannt.
Vergessene Kinder.

Sie sehen.
Sie fühlen.
Verstehen genau wie wir.
Sie lachen.
und weinen.
Wollen leben.
Genau wie wir.

Augen ohne Gück.
Alle Träume wurden erstickt.
Panik vor dem Licht.
Und Angst vor jedem Gesicht.
Schuld die keinen trifft.
Die Zeit heilt nicht.
Einsam und verloren.
Unsichtbar geboren.
Beim ersten Schrei erfroren…